Zur Trennung von Birgit Guhr

schrieb die LVZ am 26.03.:

Leipzig. Für morgen hat der Turn- und Gymnastikclub Leipzig eine ordentliche Mitgliederversammlung anberaumt. Der vierte Tagesordnungspunkt informiert zu Trainerin Birgit Guhr, von der sich der Verein getrennt hat. Seit Januar besteht für die 58-Jährige ein Hausverbot in der Turnhalle Leplaystraße.

Der Vorstand, der vor vier Monaten neu gewählt wurde, wirft der langjährigen Trainerin vor, gegen den Ehrenkodex des Deutschen Olympischen Sportbundes verstoßen zu haben. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich, weil Birgit Guhr mit fragwürdigen Trainingsmethoden die Gesundheit unserer Sportlerinnen riskierte“, erklärt TuG-Geschäftsführer Oliver Wolf. Die Trainerin soll junge Athletinnen unter psychischen Druck gesetzt und mit übermäßig „harter Hand“ geführt haben. Seit Jahresbeginn und mit Errichtung eines „Kummerkastens“ hatten sich Beschwerden seitens aktiver Sportlerinnen und deren Eltern gemehrt. Auch auf Vorstandsebene war es zu Konfrontationen mit der Trainerin gekommen. Oliver Wolf: „Das Jugendamt ist durch den Vorstand informiert und wird die Vorwürfe der Kindeswohlgefährdung prüfen.“

Der Sächsische Turn-Verband (STV) mahnte nach Bekanntwerden eines lautstarken Vorfalls seine Angestellte ab. „Das war ein unprofessionelles Verhalten gegenüber den Sportlern und Arbeitskollegen. Deshalb die Disziplinarmaßnahme. Frau Guhr nimmt weiter ihre Aufgaben im Verband wahr“, sagte STV-Geschäftsführer Roland Kostulski. Birgit Guhr, die 36 Jahre im Trainerjob arbeitet und mehrfach Leipziger Mädchen für die Nationalmannschaft entwickelt hat, räumt eine unangemessene Wortwahl gegenüber einer Gymnastin ein. „Das darf man nicht machen, dafür gibt es keine Entschuldigung. Aber den Vorwurf, die Kinder zu hart angefasst zu haben, weise ich auf das Schärfste zurück“, äußerte sich Birgit Guhr. Ihre Kampfrichtertätigkeit in Sachsen und für den Deutschen Turner-Bund wird sie wie gehabt wahrnehmen. Am Donnerstag fliegt die Olympia-Jurorin zum Grand Prix nach Frankreich.

Die Situation um die Rhythmische Sportgymnastik erschwert zudem, dass die Stadt den Nachwuchsbundesstützpunkt Halle/Leipzig ab diesem Jahr nicht mehr fördert. Die Finanzierung von Jeanette Haage-Zoyke, die den Trainingsbetrieb nach dem Rauswurf von Birgit Guhr hauptverantwortlich übernimmt, wird zur Mammutaufgabe.

Kerstin Förster, Katja Stieler

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