Klaus Köste: Wenn die Liebe zum Turnen nie vergeht

 

Noch immer zieht es den ehemaligen Spitzensportler wie magisch in die Turnhalle. «Immer Dienstagabends treffen wir uns zum „Alten-Knackertraining“ in der Schärtnerhalle der DHfK – das ist heilig. Wer nicht kommen kann, muss sich sogar schriftlich abmelden», muss Köste selbst schmunzeln. Dabei stehe es jedem Altersturner frei, ob er noch an Wettkämpfen teilnehmen möchte, doch «das Treffen, die Gemeinschaft steht im Vordergrund». Die „Altersriege“ erfreut sich in der Schärtnerhalle großer Beliebtheit, denn «jeder gibt dem anderen Hilfestellung und schließlich stehen wir als ältere Semester den jungen Studenten mit Rat und Tat zur Seite und das schätzt man», erklärt Köste.

Vor allem in der Turnhalle packt der Ehrgeiz den „Vorturner“ immer wieder: «Ich will so gern am Reck nochmal eine Riesenfelge über der Grube machen, aber die größte Herausforderung dabei stellt wohl das Kippe-Abwerfen dar, damit ich erstmal hochkomme», flachst Köste. Sein Können am Boden kann sich hingegen sehen lassen, denn hier sorgt er mit Saltos vorwärts und rückwärts, Überschlägen und Flickflacks noch immer für staunende Gesichter.

Der Olympiasieger von damals gibt den jungen Turnerinnen der heutigen Generation stets ein Beispiel, dass man mit der richtigen Einstellung auch der scheinbar unbezwingbaren Konkurrenz selbstbewusst den Kampf ansagen sollte. Doch vor Rückschlägen ist kein Leistungssportler gefeit – auch Klaus Köste musste das schmerzhaft erleben. In der Form seines Lebens reiste der Turner 1974 zur WM nach Warna, um die internationale Konkurrenz von seinen Qualitäten zu überzeugen. Doch ein Achillessehnenriss zwei Tage vor Wettkampfbeginn sorgte dafür, dass der beeindruckende Sportler die Wettkämpfe nur vom Krankenhausbett verfolgen und seine Laufbahn beenden musste.

Im Hinblick auf das Verletzungspech der beiden nationalen Turnstars Fabian Hambüchen und Anja Brinker, die beide zuletzt ebefalls einen schmerzhaften Achillessehnenriss wegstecken mussten, wundert sich Köste: «Ich dachte, dass durch die Weiterentwicklung des Bodenturnens und der verbesserten Absprungtechnik auch Achillessehnenrupturen der Vergangenheit angehören.» Gleichzeitig räumt er ein, dass mit den komplizierter werdenden Sprüngen natürlich auch wieder die Verletzungsanfälligkeit steigt. «Im Vergleich zu damals ist der Bodenteppich ja heutzutage ein wahres Trampolin», schwärmt Köste.

Auch das Turnier der Meister in Cottbus und die im April anstehende Turn-EM in Berlin will er sich auf keinen Fall entgehen lassen. «Die Tickets für die EM haben meine Frau Sabine und ich vom TV Bad Düben geschenkt bekommen, mit dem wir gemeinsam im Mannschaftsbus nach Berlin fahren und in einer Jugendherberge übernachten werden», freut sich Köste. «Wir werden uns das Mehrkampf- und Gerätefinale ansehen und natürlich auch zum legendären Ehemaligentreffen gehen.»

Zum Turn-Highlight des Jahres in Berlin wird er auch die Turnerinnen des TuG Leipzig treffen, die das Event nutzen wollen, um die Turnstars einmal aus nächster Nähe zu bewundern. «Ich freue mich, dass die junge Turngruppe aus Leipzig wieder den Anschluss an die erste Bundesliga geschafft hat und ich wünsche mir sehr, dass eine der vielversprechenden, willigen Turnerinnen den Durchbruch nach ganz oben schafft», zeigt sich Köste optimistisch. «Bei mir ist das Glas immer halbvoll und ich sehe beim TuG Leipzig viele gute Ansätze, dass man es wieder bis zum internationalen Turnsport schaffen kann.»

Lieber Klaus, wir schätzen dich sehr als engagierten und verlässlichen Experten – wann immer es um’s Turnen geht – und wünschen dir zum Geburtstag herzlichst alles Gute, vor allem aber anhaltende Gesundheit!

Historische Aufnahme: Ringe-Übung von Klaus Köste bei den Olympischen Spielen 1972 in München